Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist.

leiste

Der Heukönig

Stefan Hammes

(Der Artikel ist aus der Chronik 400 Jahre übernommen)

Im Gegensatz zum ernsthaften, spannenden und traditionellen Königsvogelschießen, findet das Schießen auf den Heuvogel in zwangloser und lockerer Atmosphäre statt. Hier ist jedermann willkommen und kann am Schießwettbwerb teilnehmen. Obwohl das Heukönigsschießen noch nicht so eine lange Tradition hat wie das Königsvogelschießen, ist es heute vom Schützenfest nicht mehr wegzudenken.

Der Überlieferung nach wurde der erste Heukönig 1936 ausgeschossen. Es handelte sich um einen Schützenbruder, der sich aus Kummer darüber, dass er nicht Schützenkönig geworden war, fürchterlich betrank (was auch heute noch manchmal vorkommen soll), und dem die Schützenbrüder am nächsten Tag nochmals einen Vogel aus Heu aufsetzten, den er auch glücklich abschoss. Somit war der erste Heukönig gekürt.

Nach dem Kriege wurde diese Idee wieder aufgegriffen. Man kam am Dienstag in der Festwoche zu einem zwanglosen Umtrunk auf dem Schützenplatz zusammen und schoss jeweils den Heukönig aus. Nach dem Motto, dass es nicht gut ist, daß der Mensch alleine sei, kamen die Herren auf die Idee, unter den anwesenden Damen auch eine Heukönigin auszuschießen. Diese bekam eine Schärpe mit dem Aufdruck ''Miss Heu'' und ein Krönchen aufgesetzt. Von Anfang an nahmen die Ortsvereine an diesem zwanglosen Zusammentreffen teil, und hier muss man vor allem die Vereinigung ''Brav Junge'' nennen, die bis heute dieses Fest entscheidend mitgeprägt hat. Heute läuft das Heukönigsschießen in etwa so ab: Gegen 19 Uhr treffen die ersten Besucher auf dem Schützenplatz ein und bei trockener Witterung werden an der Außentheke die ersten Bierchen ''gestemmt''. Dabei wird rege diskutiert, wer denn heute das Heukönigspaar werden

könnte. Fast immer wird das Ganze musikalisch untermalt. Nun ist der ''Heuvogel'' bekanntlich ein ''besonders scheuer Vogel'', der erst bei Einbruch der Dunkelheit erscheint. Dies ist heute (durch die Sommerzeit bedingt) meist gegen 22 Uhr der Fall. In der Zwischenzeit gehen Helfer mit Listen zu den anwesenden Gästen und bitten um ''Schussgeld''. Dieses gesammelte Geld wird später dem Heukönigspaar übergeben, damit keine große finanzielle Belastung entsteht. Wenn die Stimmung fast den Höhepunkt erreicht hat und die scheuen Heuvögel endlich erschienen sind, beginnt der spannende Kampf um die Königswürde.

Beide Geschlechter ermitteln heutzutage ihren König bzw. ihre Königin mit Schwerkalibergewehren, in früheren Jahren schossen die Damen mit dem Luftgewehr. Böse Zungen behaupten nun, hierbei würde es nicht immer mit rechten Dingen zugehen und es würde am ''Kördchen'' gezogen.

Der Insider aber weiß, daß es eine ernste Angelegenheit ist und daher wird den Schießenden vor jedem Schuss ''Zielwasser'' gereicht, damit die Treffsicherheit auch gewährleistet ist. Unbeschreiblicher Jubel bricht aus, wenn die Bewerber es endlich geschafft haben, nach heftigem und dramatischem Kampf die Königswürde zu erringen. Sie werden mit den Königsinsignien geschmückt. Für die Dame ein Krönchen und besagte Schärpe, für den Herrn die mit Rosen geschmückte Heukrone. Danach wird das Königspaar feierlich zur Theke geleitet und es fließt Freibier in Mengen. Je nach Bekanntheitsgrad des Königspaares dauert das Fest bis in den frühen Morgen, sehr zur ''Freude'' der Nachbarschaft.

Am zweiten Sonntag nimmt das Paar am großen Festzug für die Frauen teil, den die Schützenbruderschaft traditionell veranstaltet.